18.04.2018 14:03

Was das Geld im Innersten zusammenhält

Artikel von Cornelia Eidloth für DER ANLEGER Mai 2018

Persil, Pritt, Schauma. Kennt man, hat man und bringt man in der Regel sofort mit Henkel in Verbindung. Aber Loctite, Technomelt und Teroson? Diese kryptisch anmutenden Namen identifiziert nicht zwangsläufig als Produkte des deutschen Konsumgüter-Dinos. Sollte man aber, denn gerade diese starken Marken sind in jeder Hinsicht der Klebstoff des Henkel-Konzerns.


„Wussten Sie, dass Henkel der größte Klebstoff-Hersteller der Welt ist?“ fragt das Unternehmen auf der firmeneigenen Homepage. Dem Ottonormalverbraucher dürfte das tatsächlich nicht bewusst sein, richtet sich die Sparte Adhesive Technologies doch vornehmlich an Industriekunden. Und das seit einiger Zeit im ganz großen Stil. Das Klebstoffgeschäft mit Industriekunden ist mittlerweile der größte Wachstumstreiber von Henkel. Die Sparte verzeichnete im vergangenen Geschäftsjahr ein organisches Umsatzwachstum von fünf Prozent. Zum Vergleich: Der Bereich Laundry & Home Care wuchs um zwei Prozent, das Sorgenkind Beauty Care nur um magere 0,5 Prozent. Wobei das im Vergleich zu dem, was Henkel im ersten Quartal 2018 erwartet, noch dankbare Zahlen sind. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten in den USA musste Konzern-Chef Hans van Bylen seinen Aktionären unlängst beichten, dass das Wachmittel -und Beautygeschäft in den ersten drei Monaten des Jahres wohl ein „negatives organisches Umsatzwachstum“ vorweisen werden, sprich ein Umsatzminus. Auf dem wichtigen nordamerikanischen Markt – er trägt 26 Prozent zum Konzernumsatz bei - optimiert Henkel seit vergangenem Jahr seine Lagernetze und Lieferketten, offenbar mit mangelhaftem Erfolg. Als die neuen Systeme auf Volllast arbeiten mussten, kollabierten sie mehr oder weniger. Henkel arbeitet natürlich an einer schnellen Lösung des Problems, dennoch werfen die Negativschlagzeilen einen Schatten auf das Rekordergebnis des vergangenen Jahres. 2017 hat Henkel zum ersten Mal in seiner über 140-jährigen Geschichte einen Umsatz von 20 Millionen Euro erzielen können, ein Plus von sieben Prozent. Der bereinigte betriebliche Ergebnis kletterte um über neun Prozent auf über drei Milliarden Euro. Die Aktionäre sollen ordentlich daran beteiligt werden, zum achten Mal in Folge erhöht der DAX-Konzern die Dividende, dieses Jahr um über zehn Prozent auf 1,79 Euro je Vorzugsaktie.


„Kleben ist das neue Schweißen“

Unbehelligt von den jüngsten Turbulenzen blieb der Klassenprimus von Henkel. Die Klebstoffsparte überzeugte im vergangenen Jahr nicht nur mit starken Wachstumsraten, sondern auch einer Gewinnmarge von 18,5 Prozent. Besonders in der Autoindustrie sind die Produkte von Henkel begehrt. E-Mobilität und autonomes Fahren sind zwar Bereiche bei denen man nicht unbedingt an den Hersteller von Spee und 3-Wetter-Taft denkt, dennoch sorgt Henkel gerade in diesem Zukunftsmarkt für Innovationen. Gemäß dem eigenen Motto „Kleben ist das neue Schweißen“ kreiert Henkel dabei spezielle Lösungen für den automobilen Leichtbau. Das ist gerade für die Hersteller von Elektro-Autos interessant, da die Batterien der Stromer ein stattliches Gewicht auf die Waage bringen. Henkel entwickelt zudem Systeme um den Lärmpegel in Autos zu verringern, wovon vor allem klassische, im Vergleich zu Elektro-Autos nahezu dröhnende Benziner- und Dieselfahrzeuge profitieren. Hier wird zum Beispiel eine dickflüssige Paste in Türen, Motorhauben und Böden gespritzt. In Pasten und Dichtstoffe hüllt Henkel aber auch Batteriepacks und Leiterplatten von Steuergeräten. Auch bei Displays kommen Technologien von Henkel zum Einsatz, wie optisch transparente Klebstoffe für LDC- oder OLED-Displays, die sogar dreidimensionale Formen ermöglichen sollen. Insgesamt bietet die Adhesive Technologies-Sparte nach eigenen Angaben 300 verschiedene Anwendungen für Fahrzeuge an. Es scheint, als könnte ein komplettes Auto nur von Henkel-Klebstoffen zusammengehalten werden. Die Düsseldorfer konzentrieren sich allerdings nicht nur auf den konjunkturabhängigen Automarkt, sondern kleben auch darüberhinaus munter weiter. Im vergangenen Jahr hat Henkel mit der Übernahme der us-amerikanischen Darex Technologies seine Position im Bereich der Verpackungsklebstoffe weiter gestärkt. Mittlerweile gilt das Unternehmen zudem als Weltmarktführer in Sachen flexible Verpackungen und Metalldosen, versorgt aber auch die Elektroindustrie, beispielsweise mit Klebstoffen für mobile Endgeräte. Nicht zu vergessen natürlich der Markt für Konsumenten und Heimwerker. Pritt, Pattex und Ponal gehören gewissermaßen in jede gut sortierte Bastel- und Werkzeugkiste.


Schönheitsfehler in der Bilanz

Die bröckelnde Fassade der Henkel Beauty-Sparte kann allerdings auch der stärkste Industrie-Kleber nicht kitten. Die Umsätze mit Schwarzkopf und Syoss wachsen seit einigen Jahren nur marginal. 2017 kletterte der Umsatz nur um 0,8 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Das erste Quartal dürfte hier besonders enttäuschend ausfallen, da die angesprochenen Lieferschwierigkeiten gerade diese Sparte betreffen. Der Preiskampf bei Shampoo und Duschgel ist hart, die Konkurrenz in doppelter Hinsicht groß. Vor zwei Jahren zog Henkel den Kürzeren im Bieterkampf um die Procter&Gamble-Marke Wella und verpasste somit die Chance, der eigenen zu kleinen Haarpflege-Sparte mehr Volumen zu geben. Für Glanz sorgt immerhin das Geschäft mit den Profis. Die Beauty-Sparte bedient neben Konsumenten auch professionelle Friseursalons und das mit deutlich höheren Margen. Van Bylen sieht derzeit allerdings davon ab, sich ausschließlich auf Salonprodukte zu konzentrieren. Eine konkrete Strategie zur Stärkung der Beauty-Sparte bleibt er den Anlegern derzeit noch schuldig, sein erklärtes Ziel besteht allerdings darin, das Wachstum der Problemsparte in diesem Jahr auf zwei bis vier Prozent zu steigern.


Familienzuwachs willkommen

In guter alter Tradition des Henkel-Konzerns bleiben Übernahmen allerdings die Kernstrategie der Düsseldorfer. Weitere Zukäufe sind in allen drei Sparten geplant, sofern sie strategisch passend und preislich attraktiv erscheinen. Generell gehört die schnelle und starke Integration von Neuakquisitionen zu den großen Stärken von Henkel. Selbst hat sich das Familien-Unternehmen vor zu großen Eingriffen von außen abgesichert. Den Henkels gehören 61 Prozent der Stammaktien, die Erben haben sich verpflichtet ihre Anteile bis Ende 2033 nicht aus der Hand zu geben. Auch wenn der aktuelle Aktien-Kurs sowohl der Stämme, als auch der Vorzüge und die jüngsten Nachrichten Privatanleger vielleicht dazu verleiten könnte, sollten sie sich noch einmal die stetig steigende Dividende vor Augen führen. Denn manchmal ist diese der Klebstoff im Depot. 





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