11.12.2017 10:26

Klasse! Masse!

Kolumne von Cornelia Eidloth für DER ANLEGER Dezember 2017


Meine Tante war die erste Louis-Vuitton-Taschen-Trägerin, die ich kannte. Damals war ich noch ein Teenager und schwer beeindruckt. Ein paar Jahre später legte sich auch meine Mutter ein Exemplar im legendären Monogramm Canvas zu – und ich war wieder schwer beeindruckt. Man könnte meinen, ich besäße heute mindestens auch so einen braunen Beutel, aber weit gefehlt. Klar, geschenkt würde ich sicherlich nicht nein sagen, aber einen vierstelligen Betrag für eine Handtasche ausgeben – das bringe ich nicht übers Herz. (Ja, ich weiß, es gibt auch LV-Modelle für 400 Euro, aber wenn schon Vuitton, dann richtig!)

Diese Einstellung könnte sehr rational erscheinen, beim Thema Shopping verhalte ich mich jedoch nicht immer wie ein vernunftbegabtes Wesen. Gern schlägt meine sogenannte Preissensibilität auch mal ins andere Extrem über. An Tagen, an denen ich einfach wirklich nichts mehr zum Anziehen habe, gewinnt im Zweifelsfall immer Quantität vor Qualität. Oder anders gesagt: Wie bekomme ich für möglichst wenig Geld meinen Kleiderschrank möglichst voll? Zu billig dürfen die Stücke natürlich auch nicht sein, eine Saison sollten sie schon durchhalten und keinen fragwürdigen Produktionsbedingungen entspringen. Am Ende einer größeren Shopping-Tour sollte im Idealfall ein komplettes Outfit zum Preis einer halben It-Bag in der Tüte gelandet sein. Die Kür besteht dann darin, das Outfit so aussehen zu lassen (zumindest aus drei Metern Entfernung), als wäre es so teuer wie zwei Luxus-Taschen. Zum Glück ist das heute dank Fast-Food-Fashion-Labels wie Zara möglich. Der spanische Textil-Riese wirft gefühlt im Stundentakt neue Kollektionen auf den Markt der stylemäßig chronisch ausgehungerten Fashionistas, die jede Filiale wenige Minuten nach Ladenöffnung in ein komplettes Schlachtfeld verwandeln – und trotzdem immer wieder zu diesem zurückkehren. Zugegeben, Spaß macht das eigentlich nicht. Es sei denn, man heißt Amancio Ortega und ist der Gründer und Vorstand von Inditex, einem der größten Textilkonzerne der Welt und Mutter von Zara. Oder man hat Spaß im kleineren Stil, als Aktionär(in) von Inditex. Auch hier besticht der Quantitätsbonus: Für den Preis einer einzigen LVMH-Aktie bekommt man acht Anteilscheine der Spanier. Dann ist vielleicht bald endlich eine echte Louis Vuitton drin.

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