18.04.2018 14:09

Hier könnte Ihre Henkel Kolumne stehen.

Kolumne von Cornelia Eidloth für DER ANLEGER Mai 2018


Bislang fiel es mir immer ziemlich leicht, eine Kolumne, passend zu meinem Artikel zu schreiben. Apple, Adidas, Netflix – das kenn ich, das mag ich, liebe es vielleicht sogar. Aber Henkel? Da regt sich zunächst mal gar nichts. Kann doch gar nicht sein, Henkel ist doch schließlich ein Urgestein in der deutschen Unternehmenslandschaft, ein Konsumgüterpapst, gewissermaßen ein Teil der Familie. Hat mir meine Mutter nicht immer mit Schauma die Haare gewachsen und es hat nie in den Augen gebrannt oder auf dem Kopf geziept? Ach nee, das waren nicht wir, das war das Mutter- und Tochtergespann aus der Werbung. Aber meine Mutter ist es, die auch heute noch von „Ata“ spricht und ich mir denke „Sag doch bitte einfach Scheuermilch!!!“ Also schon wieder Fehlanzeige mit positiver Assoziation.

Auch bei der Recherchearbeit in den eigenen vier Wänden - Ernüchterung. Natürlich wasche ich meine Wäsche, meine Haare und mein Geschirr, aber nun mal nicht mit Produkten aus dem Hause Henkel. Kein Persil, kein Perwoll oder gar der Weiße Riese oder Spee weit und breit. Im Putzschrank kein General, kein Bref, kein Biff. Kein Somat, Sil oder Sidolin. Wenigstens im Bad wird doch irgendwas von Henkel stehen? Nein, auch hier kein Fa, kein bac und kein Aok. Ganz zu schweigen vom guten alten Schauma oder 3-Wetter-Taft. Man kann es kaum glauben, ein Leben ohne Henkel ist möglich. Und scheinbar auch sinnvoll, wenn ich mir die ganzen okö-bio-Alternativen in meinen Schränken ansehe. Und während ich versuche die noch ausstehende Zeichenanzahl meiner Kolumne durch das Einfügen von Markennamen zu verringern, fällt mir der Basteltisch meiner Tochter ein. Der klebrige Basteltisch meiner Tochter. Umringt von abstrakten Skulpturen aus zusammengeklebten Pappstücken. Und tatsächlich: Hauptwerkstoff dieser Kunstwerke sind Pritt-Stifte! Die sind nämlich lösemittelfrei, bestehen zu neunzig Prozent aus natur-basierten Inhaltsstoffen und lassen sich bei 20 Grad auswaschen. Das weiß ich zumindest jetzt, gekauft habe ich sie, weil es sie auch mit Glitzereffekt gibt. Meine Tochter klebt damit alles zusammen, was nicht niet- und nagelfest ist. Sie würde niemals sagen, dass ein Leben ohne Henkel möglich und sinnvoll ist. Und falls die Pritt-Bastler von heute die Anleger von morgen sind, sollte man vielleicht doch ein Herz für Henkel haben.. Aber eine neue Kolumne schreibe ich jetzt nicht!


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