11.12.2017 10:33

Die Naschformel fürs Depot

Kolumne von Cornelia Eidloth für DER ANLEGER Januar 2018


Laut Statista waren die beliebtesten Vorsätze für das Jahr 2017 „Ich möchte mehr Sport machen“ (50 %), „Ich möchte abnehmen“ (46 %) und „Ich möchte mich gesünder ernähren“ (41 %). Kann ich unterschreiben, alle drei. Ist ja auch kein Wunder, denn nur wenige Tage vor dem Jahreswechsel neige ich in der Regel dazu, genau das Gegenteil davon zu machen, und zwar in Extremform: Liegen, zunehmen – und gesund ist bei meiner Ernährung maximal das Rotkraut neben der fetten Weihnachtsgans. Denn die Feiertage sind Jahr für Jahr kulinarisch fest in der Hand von börsennotieren Konsumgüter-Herstellern: Mondelez (Milka Schoko-Nikoläuse), Lindt & Sprüngli (Nougat-Kugeln) und Nestlé (After Eight, schmeckt nur an Weihnachten).

Den Rest des Jahres erliege ich den Versuchungen der Nahrungsmittel-Riesen zwar nur selten (die Kamera ist erbarmungslos), dennoch komme ich auch bei meinen übrigen Besorgungen trotz starker Biomarkt-Affinität nicht um Aktiengesellschaften in meinem Einkaufskorb herum: Unilever (Putzmittel), Nestlé (Wasser), Danone (Joghurt), Procter & Gamble (Windeln), Colgate-Palmolive (Zahnpasta und Seife). Und vor den Windeln auch gerne mal Diageo oder Imperial Brands (dürfen Sie jetzt selber googeln). Und auch wenn ich die Entscheidungshoheit über die Einkäufe meiner Familie habe, finde ich hin und wieder Coca-Cola (was wohl?), Unilever (Eis) und AB-Inbev (Bier) in meinem Kühlschrank.

Worauf ich eigentlich hinauswill? Aktiengesellschaften sind einfach überall! Selbst wenn man sich gesund, ausgewogen und kalorienbewusst ernähren will, früher oder später landet mal ein Bissen oder eher eine ganze Tafel von Mondelez im Mund. Das liegt sicherlich auch an der evolutionär bedingten 50:35-Naschformel, gegen die wir Menschen im Grunde machtlos sind. Besteht ein Nahrungsmittel zu 50 Prozent aus Kohlenhydraten und zu 35 Prozent aus Fett, können wir im wahrsten Sinne nicht genug davon bekommen.

Auch im neuen Jahr wird die Hitliste der guten Vorsätze wahrscheinlich genau deswegen wieder angeführt werden von Abnehm- und Gesundheitsvorhaben. Was lernen wir daraus? Einfach alle Vorsätze über Bord werfen … bis auf einen „Ich möchte dieses Jahr mehr Aktien von Zucker-und-Fett-Gesellschaften kaufen.“

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