26.02.2018 15:15

Der edle Ritter

Artikel von Cornelia Eidloth für DER ANLEGER März 2018

Luxus ist Massenware. Die jüngste Bilanz des französischen Edelkonzerns Kering, ehemals PPR, mit Marken wie Gucci und Yves Saint Laurent strotzt nur so vor Superlativen. Auch wenn die Tochter Puma nach einigen dürren Jahren seinen Teil dazu beigetragen hat, fehlt ihr dennoch der Glamour-Faktor. Im Zuge der reinen Luxus-Strategie der Franzosen wird die Raubkatze nun in die Freiheit entlassen. Ganz im Sinne von Kerings Weltanschauung zum Wohle aller Beteiligten.


Attraktiv, reich und dann auch noch ein umweltbewusster Philanthrop? Auf einer Dating-Website würde ein derartig idealtypisches Profil wohl eher Misstrauen hervorrufen, vereint jedoch ein Unternehmen all diese Attribute in sich, schenkt man ihm gern sein Vertrauen. Abzüglich aller geschönter Marketing- und PR-Plattitüden scheint es Kering tatsächlich ernst zu meinen mit seinem ganzheitlichem Ansatz zur Weltverbesserung, oder vielmehr -verschönerung,

An dem französischen Luxus-Konzern ist einfach alles edel; Die Produkte, die Marken, die Bilanz, der Vorstandsvorsitzende und nicht zuletzt die Absichten. Bei Kering ist der Name Programm und ja, Kering ist tatsächlich ein Kunstwort, das sich an das Englische „caring“ anlehnt. Kering sieht sich ganz dem Hegen und Pflegen verpflichtet. Es geht um das Wohlergehen der Marken, der Mitarbeiter, der Kunden und das keiner geringeren als Mutter Natur. Der charismatische Vorstandsvorsitzende Francois-Henri Pinault trägt sein Übriges zum Nimbus von Kering bei. Seit 2009 ist er mit Hollywood-Star Salma Hayek verheiratet, sammelt wertvolle Kunst und setzt sich für antirassistische Bürgerrechtsorganisationen ein und hat sich die Gleichstellung der Geschlechter im Unternehmen auf die Fahne geschrieben.


Schwarze und grüne Zahlen 

Dass das Selbstverständnis von gelebter Nachhaltigkeit offenbar keine leere Phrase ist, zeigt sich an der ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung, an der Kering seit 2015 seine Geschäftsaktivitäten ausrichtet. Sinn und Ziel dieser in Zusammenarbeit mit PricewaterhouseCoopers entwickelten Gegenüberstellung, ist es die Auswirkungen der Geschäftstätigkeit auf die Umwelt monetär zu bemessen. Es geht dabei um den Betrag, der gezahlt werden müsste, wenn die Umwelt sauberes Wasser, reine Luft, die Zersetzung von Abfällen und die Wiederherstellung von Böden und Atmosphäre in Rechnung stellen würden. Die Rechnung gibt mit anderen Worten an, wie teuer es wäre seinen ökologischen Fussabdruck zu verwischen. Um diesen Betrag möglichst gering zu halten, versucht Kering verschiedenen Stationen der Wertschöpfungskette so anzupassen, dass sie weniger schädlich für die Umwelt sind.

Inwiefern das in manchen Fällen Augenwischerei ist, sei dahingestellt. Die diversen animierten Präsentationen und hochwertig produzierten Imagefilme auf der Kering-Website vermögen es in jedem Fall den Betrachter für die Sache einzunehmen. Von wegen Luxus ist egoistisch und sinnlos! Ach, es wäre zu schön um wahr zu sein. Aber während die mit bunten Kreisen und Tortendiagrammen gespickte ökologische GuV vieles verschleiern könnte, spricht die „echte“ Bilanz eine eindeutigere, aber nicht minder beeindruckende Sprache. Im Gegenteil: 15,5 Milliarden Euro Umsatz im Jahr 2017, ein Plus von 25 Prozent, fast drei Milliarden Euro Gewinn, sagenhafte 56 Prozent mehr im Vorjahr und mit einem Nettoergebnis von 1,75 Milliarden Euro ein Plus von 120 Prozent. Zu Recht spricht Pinault angesichts dieser Zahlen von einem „phänomenalen Jahr.“ Hinter Branchenprimus LVMH (vgl. DER ANLEGER 02/17) sei Kering nun die stolze Nummer Zwei der Luxuswelt. Die Branche boomt, besonders in den Emerging Markets erzielen Luxusmarken enorme Wachstumsraten. Kerings Aushängeschild Gucci hat mit 6,2 Milliarden den Löwenanteil zum Jahresumsatz beigetragen. Unter Chef-Designer Alessandro Michele hat sich die italienische Mode- und Lederwarenmarke neu aufgestellt und von steigender Beliebtheit in China und erweiterten Online-Vertriebswegen profitiert. Aber auch die Luxus-Marken Yves Saint Laurent und Balenciaga konnten ordentlich zulegen. Der Edeltaschen-Fabrikant Bottega Veneta schwächle zwar etwas, aber mit ein wenig Innovationskraft sei auch hier bald wieder Wachstum zu erwarten, so Kering.


Puma kommt aus dem Käfig 

Man muss kein Mode-Experte sein, um zu merken, dass die Marke Puma thematisch ein wenig aus der Reihe fällt. Und tatsächlich wird es das letzte Mal sein, dass die Herzogenauracher in einer Bilanz von Kering auftauchen. Die Trennung vom Sportartikelhersteller ist beschlossene Sache, Kering will ein „pure Player“ des Luxus werden. Dabei waren die jüngsten Ergebnisse von Puma eine Bereicherung für das Zahlenwerk ihrer Noch-Mutter: Unterm Strich blieben 136 Millionen Euro übrig, den Gewinn hat der Sportartikelhersteller damit fast verdoppelt. Der Umsatz hat sich um 14 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro verbessert. Und auch eine Umsatzrendite von sechs Prozent ist eine feine Sache, verblasst aber neben der glamourösen 34-Prozent-Gewinnmarge von Gucci. Pinault fand auf der Telefonkonferenz zur Bilanz dafür umso wärmere Worte. Der Weg, den Puma zurückgelegt hat, sei eindrucksvoll, man aber die beste Führungsmannschaft, aber die Marke sei noch weit davon entfernt, ihr volles Potential erreicht zu haben. Nun gut, vielleicht sind das eher lauwarme Worte, nichtsdestoweniger findet die Trennung einvernehmlich und in sanften Schritten statt. Nach Ausschüttung von Gratisaktien an die Kering-Aktionäre wird der Anteil freiverkäuflicher Aktien bei 55 Prozent liegen, die Familienholding Artemis wird für mindestens zwölf Monate 29 Prozent halten und Kering für mindestens sechs Monate noch 16 Prozent. Und auch in dieser Situation macht Kering seinem Namen wieder alle Ehre. Die Kering-Anleger sollen durch das Aktien-Geschenk direkt von der erwarteten Wachstumsstory profitieren.


Aktie mehr als nur ein Accessoire

Die Wachstumsgeschichte der Kering-Aktie wurde nach den Zahlen war kurz unterbrochen, nimmt nach zahlreichen Kurszielerhöhungen und positiven Analysten-Kommentaren wieder Fahrt auf. Seit Sommer 2016 hat das Papier fast 200 Prozent zugelegt und markierte Anfang des Jahres ein neues Allzeit-Hoch bei 412,50 Euro. Das KGV 2018(e) liegt bei 20, womit die Aktien zwar nicht ganz billig, im Vergleich zu anderen Luxusgüter-Werte aber moderat bewertet ist. 

Das Papier werde mit einem Abschlag zur europäischen Branche gehandelt, verdiene angesichts ihres herausragenden Wachstums aber eigentlich einen Aufschlag, so einige Analysten. Es ist fast zu schön, um wahr zu sein, aber an Kering scheint sogar die Aktie edel zu sein.

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