23.07.2018 10:09

Beiersdorf-Aktie – Alles im blauen Bereich

Artikel von Cornelia Eidloth für DER ANLEGER August 2018

Beim DAX-Konzern Beiersdorf zeichnet sich derzeit das Ende einer einer kleinen Ära ab, Vorstands-Chef Stefan Heidenreich wird das Unternehmen spätestens Ende nächsten Jahres verlassen. Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2012 hat sich der Kurs der Aktie mehr als verdoppelt. Sein Abgang wirft vielen Anlegern daher Sorgenfalten auf die Stirn, Ob allein Nivea-Creme dagegen hilft?


Der Markt hat überrascht auf den angekündigten Abschied von Vorstandschef Stefan Heidenreich reagiert. In der Branche war diese Meldung allerdings schon seit ein paar Monaten beschlossene Sache. Spekulationen gab es bereits seit der Bilanzpressekonferenz im März. Heidenreich wich damals der Frage, ob er den gedenke bei Beiersdorf weiterzumachen aus und kündigte an, sich im Sommer mit Mehrheitsaktionär Michael Herz auf einen Kaffee zusammen zu setzen. Mittlerweile ist Sommer und der Kaffee getrunken - mit dem Ergebnis, dass Heidenreich wahrscheinlich schon vor Vertragsende 2019 den Chefposten räumen wird, falls sich ein adäquater Nachfolger finden lässt. Schon seit dem tatsächlich überraschenden Ausscheiden von Finanz-Vorstand Jesper Andersen im Februar haben Branchenkenner den baldigen Abschied von Heidenreich auf dem Zettel gehabt. 


Auf Herz und Nieren

Warum er nun den Hut nimmt (oder nehmen muss), darüber wird nun spekuliert. Angeblich gab es seit geraumer Zeit gewisser Spannungen zwischen Hauptaktionär und Aufsichtstatmitglied Michael Herz und Heidenreich. Herz ist Vorstand der maxingvest ag, ein Holdingunternehmen der Tchibo-Dynastie Herz , und kontrolliert 51 Prozent von Beiersdorf. Offiziell fand die Trennung freundschaftlich und einvernehmlich statt. Der 55-jährige Heidenreich wolle seine Prioritäten nun in den privaten Bereich verschieben. Blickt man auf sein Erreichtes in den letzten sechs Jahren und die damit verbundenen Anstrengungen zurück, versteht man diesen Wunsch. Heidenreich hat sich in den letzten sechs Jahren ordentlich reingehängt bei Beiersdorf, das ist nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Der Aktienkurs von Beiersdorf hat sich unter seiner Ägide mehr als verdoppelt, das Unternehmen ist zudem praktisch schuldenfrei. Allein im vergangenen Jahr wuchs der Umsatz organisch um 5,7 Prozent auf gut sieben Milliarden Euro – eine Rekordsumme. Vor allem im Vergleich zu Branchenriesen wie L'Oréal oder Henkel, die nur auf 4,8, respektive drei Prozent Umsatzwachstum kamen, überzeugten die Hamburger. Das Nettoergebnis fiel zwar mit einem Rückgang von 5,2 Prozent auf 689 Millionen Euro nicht ganz so berauschend aus, was Beiersdorf allerdings auf fehlende Einmalerträge, Währungseffekte durch den starken Euro und auch auf Wertverluste bei Finanzanlage zurückführte, Das Ebit verbesserte sich immerhin um sieben Prozent auf knapp 1,1 Milliarden Euro. Besonders gut hat dabei tesa abgeschnitten, aber auch die Consumer-Sparte mit Marken wie Nivea und Labello überzeugte im herausfordernden Wettbewerbsumfeld. Beim Ausblick auf das Laufende Jahr dreht Beiersdorf die Vorzeichen um: Das erwartete Umsatzwachstum wird voraussichtlich auf vier Prozent zurückgehen, unterm Strich soll hingegen „signifikant“ mehr stehen. Beiersdorf ist allerdings dafür bekannt, sich bei Prognosen eher kleinlaut zu geben. Im Jahresverlauf werden die Ziele dann gerne auch mal höher gesteckt.


Hamburger Zurückhaltung

Der Blick in die Bücher offenbarte zudem einmal mehr die enormen Geldreserven auf denen die Hamburger thronen. 4.2 Milliarden Euro befinden sich aktuell in der Kriegskasse. Was damit irgendwann mal geschehen soll ist ungewiss. Auf die Idee, einen Teil an seine Aktionäre auszuschütten kommt das Unternehmen seit Jahren nicht. Die letzte Dividenveränderung (es war tatsächlich eine Senkung um 20 Cent) liegt zehn Jahre Jahre zurück, seitdem stagniert sie bei 70 Cent. Anleger monieren diesen Umstand regelmäßig, aber bei einem Streubesitz von nur 36,32 Prozent verhallt ihre Stimme in den Hallen der maxingvest ag. 

Auch von Zukäufen sieht Beiersdorf seit geraumer Zeit ab, und betonte auch zuletzt wieder organisches Wachstum zu bevorzugen. Einzelne Stimmen vermuten allerdings, dass Heidenreich das Geld auf der hohen Kante für eine größere Übernahme vorgesehen haben könnte – ganz zum Missfallen der Familie Herz. Die letzte größere Übernahme liegt nun mehr zehn Jahre zurück und offebarte sich als Flop. Die Folgen des Fehlgriffs mit der chinesischen Haarpflegemarke C-Bons konnte Heidenreich zuletzt weitestgehend aus der Welt schaffen.

Was mit dem gehorteten Geld in Zukunft geschehen soll – oder eben nicht – darum wird sich in Zukunft ein anderer kümmern müssen. Zwei Personalien tauchen in Spekulationen um die Nachfolge an der Beiersdorf-Spitze immer wieder auf. Zum einen Stefan De Loecker, der seit 1. Juli als stellvertretender Vorstandsvorsitzender agiert. Der ehemalige Nestlé-Russland-Chef war vorher im Vorstand von Beiersdorf zuständig für das Geschäft in den Wachstumsmärkten im Nahen Osten, Indien, Russland und Südamerika. Er trägt nun vorübergehend die Verantwortung für „Planung, Strategie und Unternehmensentwicklung“, möglicherweise auch dauerhaft. 


Teure Tiegel

Es sein denn, die Wahl fällt auf das Vorstands-Mitglied Vincent Warnery, der erst seit Februar vergangenen Jahres für Beiersdorf tätig ist. Allerdings hat der Franzose die Sahneschnittchen des Konzerns unter seinen Fittichen. Neben der „Volkscreme“ Nivea verkaufen die Hamburger nämlich auch die-Produkte der Luxusmarke La Prairie, deren Unabhängigkeit von den Nivea-Vertriebswegen Beiersdorf seit vergangenem Jahr forciert. Für 50 Milliliter High-Tech-Kosmetik fallen gut und gerne zwischen 300 und 1.500 Euro an. Der Sortiments-Klassiker „Skin Caviar Luxe Cream“ - ebenfalls in einer blauen Dose – ist für 403 Euro haben. Außerdem ist der von Sanofi abgeworbene Top-Manager für die Apotheken-Marke Eucerin und Hansaplast zuständig. Die sogenannten Pharmacy- und Selective-Marken stehen im Zentrum der neuen „Blue & Beyond“-Strategie von Beiersdorf. Die Erweiterung der „Blue Agenda“, die insbesondere auf Nivea zugeschnitten war, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Wachstum der Marken hinter der blauen Dose zu forcieren. Warnery, der 15 Jahre lang für den Mitbewerber L'Oréal tätig war, ist dafür mit ordentlich Kapital ausgestattet worden. In Anbetracht der Tatsache, dass circa die Hälfte des Umsatzes von Beiersdorf mittlerweile in den Schwellenländern generiert wird, könnte die vorläufige Kombination von Warnery und De Loecker die fehlende Klarheit über die weitere Führung im Beiersdorf-Konzern möglicherweise etwas erträglicher machen. 

Ein Großteil der Analysten spricht sich derzeit für das Halten der Aktie aus. Das Mittel der Wahl gegen Sorgenfalten aller Art kommt aber in jedem Fall in blauer Verpackung.


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